Gefährliche Spiele – Faszination Schusswaffen

Inhalt:

Softair-Waffen (auch "Airsoftwaffen" genannt) – darum geht es
Geteilte Begeisterung
Gefahren
Airsoft als Spiel
Rechtliche Situation
Verbote reichen nicht
Weiterführende Links

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Liebe Eltern,

das Spiel mit sogenannten Soft-Air-Waffen übt vor allem auf Jungs eine große Faszination aus.
Derzeit sind besonders viele Kinder mit diesem Spielzeug unterwegs, und es besteht sowohl seitens der Kinder wie auch der Eltern eine Verunsicherung hinsichtlich der rechtlichen Situation.

Deshalb hier der Versuch, relevante Informationen zu diesem Thema zusammen zu stellen:

Softair-Waffen (auch "Airsoftwaffen" genannt) – darum geht es

Diese "Spielgeräte" sind in der Regel echten Waffen nachempfunden und aus Kunststoff hergestellt. Sie verschießen 6mm große Kunststoffkügelchen und dürfen – um nicht als "echte" Waffe zu gelten – eine Mündungsenergie von maximal 0,5 Joule besitzen.

Geteilte Begeisterung

Die Begeisterung, die hauptsächlich Jungs für solche "Spielgeräte" entwickeln, werden wohl am ehesten Väter verstehen können, die sich an ihre Kindheit zurück erinnern.

Eine Waffe – auch im Spiel – kann zum Gefühl von Stärke, Unangreifbarkeit und Macht verhelfen. In unserer durch die Medien sehr klein gewordenen Welt sind Waffen fast allgegenwärtig – in Nachrichten, als Spielzeug oder im Fernsehkrimi, als "gute" Waffen im Holster eines Polizisten oder als "böse" Waffe in der Hand eines Terroristen.

Genauso widersprüchlich erleben Kinder auch Waffen bei sich selbst, nämlich als bedrohlich in der Hand eines anderen Kindes, das mir nicht wohl gesonnen ist oder als vermeintlich schützend in der eigenen Hand. Damit ist auch klar, dass viele Jungs unbedingt mithalten müssen, wenn andere um sie herum ein entsprechendes "Spielzeug" besitzen, der Druck führt hier sehr häufig dazu, sich heimlich und gegen den Willen der Eltern selbst zu "bewaffnen".

Erwachsene lehnen Waffen (vor allem als Spielzeug) entweder kategorisch ab – oder spielen in speziellen Clubs in Kampfanzügen im Wald selbst begeistert "Krieg".

Gefahren

Verletzungsrisiko

Kugeln aus solchen Softair-Waffen können durchaus schmerzhaft sein und zu blauen Flecken führen. Wenn jedoch das Auge getroffen wird, sind schwere Verletzungen fast zwangsläufig (siehe Bericht).

Selbstgefährdung

Das Tragen einer Waffe (auch einer Softair-Waffe) erhöht die Chance, selbst Opfer von Gewalt zu werden deutlich. Es weckt Neid, erzeugt Angst oder wird als Signal "der will Ärger" interpretiert.

Außerdem besteht das Risiko, in einer Auseinandersetzung "auszurasten" und mittels der Waffe andere zu verletzen. Gerade für Kinder, die in der Gemeinschaft mit Gleichaltrigen eher eine schwache Position haben, kann die Versuchung groß sein, sich damit sozial "aufwerten" zu wollen.

Softair-Waffen sind in der Regel echten Waffen nachempfunden und aus der Entfernung von diesen kaum zu unterscheiden. Es besteht also auch die Gefahr, dass beispielsweise ein Polizist sich einer gefährlichen Situation gegenüber wähnt und mit dem Einsatz der eigenen Waffe reagiert – auch hier kam es schon zu tragischen Verwechslungen. Deshalb ist das Tragen solcher "Anscheinswaffen" nach dem Waffengesetz verboten.

Gesetzeskonflikt

(zur rechtlichen Situation siehe unten)

Airsoft als Spiel

Airsoft wird als Spiel oder Sport betrieben – auf privatem, abgezäunten Gelände, in Schutzausrüstung (besonders für die Augen) und nach klaren Spielregeln. Nur in einem solchen Rahmen ist es vertretbar, mit Softair-Waffen aufeinander zu schießen! Besonders die Vereine und Clubs, die diesen Sport betreiben, warnen vor Softair-Waffen in den Händen unbeaufsichtigter Kinder und Jugendlicher.

Rechtliche Situation

Am 22. Februar 2008 wurde das "Gesetz zur Änderung des Waffengesetzes und weiterer Vorschriften" vom Bundestag beschlossen. Darin wurde ein neuer Paragraph eingeführt (§ 42a), der den Begriff "Anscheinswaffen" definiert und das Führen solcher Waffen als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld von bis zu 10.000 Euro belegt. In der Regel fallen Softair-Waffen unter diese Regelung, wenn sie nicht eindeutig als Spielzeug zu erkennen sind.

Solche Waffen dürfen – soweit ihre Mündungsenergie unter 0,5 Joule liegt – frei verkauft werden, auch an Kinder. Die Verbände der Waffenhändler empfehlen zwar, diese Geräte erst ab einem Alter von 14 Jahren zu verkaufen, aber mindestens bei einem Händler in Freiburg wird diese Empfehlung ignoriert. Dessen Adresse ist den interessierten Kindern natürlich bekannt. Einige Händler verkaufen Softair-Waffen grundsätzlich nur an Erwachsene.

Aber:

Das Führen solcher Waffen ist verboten. Das bedeutet, dass sie außerhalb des privaten, umfriedeten Bereiches nicht getragen werden dürfen (höchstens in einem verschlossenen Behälter, um sie beispielsweise vom Händler nach Hause oder zum Schießplatz transportieren zu können) – auch von Erwachsenen nicht.

Bewertung:

Dieses "freizügige" Verhalten einiger Händler führt dazu, dass bei Kindern das Gefühl entsteht, ihre Softair-Waffe auch in der Öffentlichkeit tragen zu dürfen, schließlich durften sie sie ja auch kaufen. Auch bei vielen Eltern besteht deshalb Verunsicherung. Zumal – zumindest in dem erwähnten Fall – die jugendlichen Käufer auch nicht darüber aufgeklärt wurden, dass sie ihren Einkauf eigentlich gar nicht für den von ihnen gedachten Zweck verwenden dürfen.

Verbote reichen nicht

Solange Kinder diese Waffen kaufen können, bleiben sie auch verfügbar.

Da helfen Verbote der Eltern – ob unter Hinweis auf die Gefahren oder auf die Rechtslage – nur bedingt. Wichtiger als Verbote ist auch hier das vertrauensvolle Gespräch, was aber voraussetzt, dass Eltern das Objekt der Begierde ihres Kindes nicht "verteufeln". Auch der Austausch mit den Eltern der Freunde ist wichtig, um gemeinsam an einem Strang ziehen zu können.

Weiterführende Links:

time4teen.de: Waffen (Jugendseiten der Polizei)
BMI Fragen und Antworten zu den Änderungen des Waffengesetzes (Innenministerium)
Rechtsauffassungen - Airsoft Initiative Deutschland 
Konstanz: Junge durch Soft-Air-Waffe fast erblindet
Softair Shop, Softgun News Neues Waffengesetz ab 01.04.2008 - update 
Service - Waffenbehörde / Waffenrecht - Berlin.de 
Merkblatt der Waffenhersteller zu Soft-AirWaffen (PDF-Datei) 
Gesetz zur Änderung des Waffengesetzes

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Johannes Fiedler, Februar 2009